Wer dampft, liegt im Trend

Ab nächstem Jahr ist in Frankreich die Werbung für elektrische Zigaretten verboten. Damit reagiert das Land auf die im April 2014 in Kraft getretene europäische Richtlinie für Tabakerzeugnisse und die Bedenken der Gesundheitsbehörden. Diese verfolgen mit Sorge den wachsenden Erfolg des Tabakersatzes: 2014 zählte das französische Wirtschaftsforschungsinstitut Xerfi 1,5 Millionen Konsumenten und mehr als 2.000 Fachgeschäfte für E-Zigaretten. Seit der Markteinführung des Produktes vor vier Jahren sanken auch die Verkaufszahlen herkömmlicher Zigaretten. Mit 45 Milliarden Einheiten ging der Verkauf von Tabak und Zigaretten im Vergleich von 2014 auf 2013 um 5,3 % zurück. Im Rahmen einer Gesundheitsreform soll in Frankreich die E-Zigarette am Arbeitsplatz und in öffentlichen Einrichtungen verboten werden. Scheint fast, als drücke der Staat auch den E-Rauchern langsam die Luft ab…

Gesundheitsgefahren

Sind E-Zigaretten weniger schädlich als herkömmliche Zigaretten? Wissenschaftliche Studien alarmieren Ärzte und verunsichern die Verbraucher, Langzeitstudien gibt es bisher jedoch nicht. Auch die Medien berufen sich mangels umfassender klinischer Forschungen auf Erkenntnisse aus den USA: Laut einer von der Portland State University im Januar 2015 publizierten Studie ist der Dampf von E-Zigaretten fünf bis fünfzehn Mal krebserregender als Tabak. Die amerikanischen Ärzte warnen vor allem vor der Überhitzung des in der Flüssigkeit enthaltenen Formaldehyds. Falsch, meinen andere Experten: Eine Überhitzung der Flüssigkeit finde nur unter Laborbedingungen statt, niemals beim Rauchen der E-Zigaretten. Wäre dies der Fall, dann würde zudem der bittere Geschmack den Konsumenten das Rauchen verleiden.

Entwöhnung

Gesundheitsexperten beschäftigen sich auch mit der Rolle der E-Zigaretten bei der Tabakentwöhnung. Hilft die Tatsache, dass der „Dampfer“ den Nikotingehalt seiner E-Zigarette frei wählen und kontrollieren kann, dabei, das Rauchen oder Dampfen eines Tages ganz aufzugeben? Einige Mediziner sind davon überzeugt, dass E-Zigaretten eine gesündere Alternative zum Tabakkonsum darstellen. Der französische Tabakologe Philippe Presles rät, verschiedene Arten von Sucht zu unterschieden: eher harmlose Suchtformen, wie Shopping, Schokolade oder E-Zigaretten von Anhängigkeiten, die „krank machen und töten“, wie die Tabaksucht.

Die Tabakindustrie hält dagegen

Die Tabakindustrie ist in Aufruhr. Laut „Die Zeit“ kommen jeden Monat zehn neue E-Zigarettenmarken auf den weltweiten Markt. 2014 waren amerikanischen Wissenschaftlern zufolge bereits 460 verschiedene Marken und 7.600 verschiedene Geschmacksrichtungen im Umlauf. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schätzt, dass die Verkaufszahl von E-Zigaretten bis 2030 um das 17-fache steigen könnte. Daher empfahl sie, bis August 2014 den Konsum von E-Zigaretten für Minderjährige und in geschlossenen öffentlichen Räumen zu verbieten. Die Tabakgiganten wie Reynolds (Camel, Pall Mall) oder Altria (Marlboro) sind sich des Kurswechsels auf dem Markt bewusst und investieren Millionen, um mit eigenen E-Produkten in den Wettbewerb einzusteigen.

von Olivier Mirguet