Lianen tragen möglicherweise zur Erderwärmung bei

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Träumen Sie auch davon, einmal wie Tarzan von Liane zu Liane durch den Urwald zu schwingen? Da müssen wir Sie leider enttäuschen: Man kann nicht an Lianen schwingen. Geht nicht. Denn Lianen sind Kletterpflanzen: Sie wurzeln im Boden und müssen sich selbst an anderen Bäumen festklammern, um in die Höhe zu wachsen. Seit gut dreißig Jahren nimmt die Zahl von Lianen im Amazonas-Regenwald auffällig zu, und das beunruhigt die Wissenschaft. Noch weiß man nicht genau, was der Grund für den Boom ist. Nur eines ist sicher: Was Licht und Wasser angeht, stehen Lianen in direktem Wettbewerb mit den anderen Pflanzen des Regenwaldes, vor allen Dingen mit Bäumen, und scheinen sich dabei durchaus nicht schlecht zu schlagen: "Wir glauben, dass Lianen in Trockenzeiten besser an Wasserreserven gelangen als andere Bäume, weil ihre Wurzeln tiefer in den Boden reichen", erklärt Hans Verbeeck (ERC) von der Universität Gent. "Extreme Dürreperioden führen jedenfalls bei Bäumen zu einer höheren Sterblichkeit." Über sechs Wochen hat der  Umweltwissenschaftler die Lianen im Wald von Paracou in Französisch-Guyana kartiert. Auch dort hat die Zahl der Lianen in letzter Zeit zugenommen. Warum ist das ein Problem? Lianen haben wesentlich kleinere Stämme als Bäume und speichern deshalb weniger CO2 als diese ab. Mehr Lianen und weniger Bäume heißt also auch mehr CO2 in der Luft. Der Lianen-Boom im Amazonas könnte damit den Klimawandel vorantreiben. Wenn man schon nicht schwingen kann, möchte man da zumindest schreien wie Tarzan: Aaa–iaa–i-iaaa!