Mit der Nachfrage steigen auch die Probleme

Lithium gilt als Schlüsselrohstoff der nächsten Jahrzehnte, aber die steigende Nachfrage bringt auch Probleme mit sich. In den größtenteils lateinamerikanischen Herkunftsländern kommt es zu Umweltproblemen und Konflikten über gerechte Ressourcenverteilung, während in den Industrieländern die Lithium-Abfälle ansteigen.

Ein Artikel von Sophia Boddenberg

Umweltbelastung durch Abbau

Der größte Teil der Lithium-Reserven befindet sich in Salzseen in Chile, Bolivien und Argentinien, aber auch in Tibet und Afghanistan. Lithium ist ein Alkali-Metall und wird häufig in einem Verdunstungsprozess gewonnen. Nacheinander setzen sich unterschiedliche Salze im Verdunstungsbecken ab. Übrig bleibt eine olivgrüne Lösung, die Lithium enthält. Diese wird dann in einer Chemiefabrik in Lithiumkarbonat verwandelt. Durch den Abbau von Lithium wird extrem viel Wasser verbraucht. Grund dafür ist das gezielte Verdampfen des Wassers zur Erhöhung der Lithium-Konzentration in den Becken, ohne es aufzufangen oder wieder dem Grundwasser zuzuführen. Dadurch kommt es in den umliegenden Gemeinden zu Wasserknappheit, Bodenkontaminierung und einer Verseuchung des Trinkwassers, da das Abwasser aus dem Abbauprozess oft ungeklärt abgeleitet wird. Das stellt nicht nur ein Problem für die Landwirtschaft dar, auch die Wasserversorgung ganzer Gemeinden wird gefährdet. „Es gibt zwei große Probleme: Den Wasserverbrauch und den Energieverbrauch“, sagt Michael Alvarez Kalverkamp, Pressesprecher für Internationale Zusammenarbeit der Heinrich-Böll-Stiftung. Durch den Abbau seltener Metalle erhöht sich der Energiebedarf in den Herkunftsländern, weshalb in preiswerte Energie wie Kohlekraft investiert wird, was zu neuen Umweltproblemen führt.

„Wir können zwar nicht auf Lithium verzichten, aber wir müssen uns auch fragen, wie der Abbau stattfindet“, sagt Alvarez Kalverkamp.

Strukturelle Probleme in den Herkunftsländern

In Lateinamerika hat sich der Rohstoffreichtum anstatt in Wohlstand häufig in ökonomische Armut verwandelt, da die Rohstoffe nicht in den Ländern selbst verarbeitet, sondern exportiert und später als fertige Industrieprodukte wieder importiert werden. Der Lithium-Markt ist ein Musterbeispiel für diese transnationalen Verflechtungen. Das stellt Juliana Ströbele-Gregor in einer Studie über Lithium in Bolivien fest. Bolivien, als eines der Länder mit den weltweit größten Lithium-Vorkommen, will sich aus seiner Geschichte als billiger Rohstofflieferant lösen, die das Land bis heute in eine Position extremer Ungleichheit zu den Industrieländern und den internationalen Märkten versetzt hat. Die Entscheidungsmacht soll beim Staat und nicht wie zuvor in der bolivianischen Wirtschaftsgeschichte bei ausländischen Investoren liegen. Aber aufgrund des Mangels an Technologie, Infrastruktur und Fachkräften stellt das eine große Herausforderung für Bolivien dar. Bisher kann das Land keine Akkus verkaufen, sondern lediglich den Rohstoff Lithium und das zu niedrigen Preisen. Hier zeigt sich das mit der Kolonialzeit entstandene Abhängigkeitsverhältnis, das wirtschaftliche, soziale und politische Ungleichheiten geschaffen hat, die bis heute nicht überwunden wurden. 

Lithium-Abfall: Auch Akkus sind ein Wegwerfprodukt

Die Abfallmenge von Lithiumbatterien und Lithium-Ionen-Akkus auf der Welt liegt bei gut 1.300 Tonnen pro Jahr. 2020 sollen es voraussichtlich knapp 14.000 Tonnen sein, also das Zehnfache. Grund dafür ist vor allem die zunehmende Elektromobilität, ob bei Autos, Fahrrädern oder Rollern. Auch die Smartphone- und Computerindustrie treibt die Nachfrage an, denn Lithium steckt in den aufladbaren Akkus der Geräte. Doch oft gehen die Akkus nach einigen Jahren kaputt oder die Geräte werden durch Neue ausgetauscht. So steigt nicht nur die Nachfrage nach den begrenzten Lithium-Vorkommen weiter an, sondern auch der Lithium-Abfall. Lithium-Recycling Eine Möglichkeit, den Problemen entgegenzuwirken, ist der bewusste Umgang und das Recycling von Lithium-Batterien. Tipps über den Umgang mit Lithium-Batterien und -Akkus finden Sie auf der Internetseite des Umweltbundesamts. Bei dem Forschungsprojekt LithoRec wurde ein neues Konzept entworfen, mit dem sich ein großer Anteil der eingesetzten Materialien in Lithium-Ionen-Akkus recyceln und für die Herstellung neuer Akkus verwenden lässt. Wie das funktionieren soll, zeigt ein Beitrag über die Forschungsarbeit der Battery LabFactory an der Technischen Universität Braunschweig, den Sie hier finden.