Maschinen und Roboter in der Arbeitswelt der Zukunft

von Denis Delbecq

Roboter in der Industrie

Schon heute können Industrieroboter mit höchster Genauigkeit lackieren, schleifen und schweißen. Doch sie sind nicht wirklich fähig, sich an Veränderungen ihres Umfeldes anzupassen. Zwar sind sie geschickter als Menschen, doch selbst Säuglinge reagieren besser auf ihre Umwelt als Maschinen. Deshalb werden sogar in hoch automatisierten Fabriken nach wie vor viele Arbeiter beschäftigt, deren Aufmerksamkeit und Reaktionsvermögen zum Beispiel beim Einräumen und Verpacken unersetzlich sind. Doch auch das dürfte schon bald der Vergangenheit angehören, denn die Roboter der neuen Generation, darunter auch Baxter von der amerikanischen Firma Rethink Robotics [1], nehmen ihre Umwelt wahr und können sich Veränderungen schnell anpassen. Daher eignen sie sich besonders für wenig qualifizierte Aufgaben sehr gut. So verwundert es kaum, dass die Manager des chinesischen Apple-Herstellers Foxconn planen, eine Million Mitarbeiter durch Roboter zu ersetzen. Die Konkurrenz der neuen Maschinenmenschen wird niemanden verschonen, auch nicht die westlichen Industrieländer.

Futuremag - Nos collègues les robots
Kollege Roboter „Collaborative robots“ sind speziell für die Zusammenarbeit mit ihren menschlichen Kollegen konzipiert. Kollege Roboter

 

Maschinen in intellektuellen Berufen

Durch die Mechanisierung konnte die Kraft des Menschen vor allem bei repetitiven Tätigkeiten durch Maschinen potenziert werden. Nur wenige Jahrzehnte nach der Einführung des ersten PCs machen Maschinen dem Menschen nun eine weitere Fähigkeit streitig: sie lernen zu lernen. So schlug Deep Blue von IBM 1997 den damaligen Schachweltmeister, und sein Nachfolger Watson gewann 2011 das TV-Spiel Jeopardy! Beide Computer verfügen über außerordentliche Fähigkeiten beim Analysieren von Fragen und beim Verständnis von Wortspielen. Watson studiert mittlerweile Onkologie und wird schon bald genauere Diagnosen stellen können als die besten Ärzte. Weil der Computer in kürzester Zeit Millionen von Dokumenten, Krankenakten und wissenschaftlichen Abhandlungen analysieren kann, sind seine Leistungen denen des menschlichen Gehirns weit überlegen. Das wissen auch Juristen und Anwälte, deren Computer die gesamte Rechtsprechung eines Falls im Handumdrehen analysieren. Selbst Journalisten werden bei bestimmten wiederkehrenden Artikeln bereits von Robotern ersetzt. Nach den Arbeitern müssen sich nun die intellektuellen Berufe der Konkurrenz der Maschinen erwehren!

Automatisierter Straßenverkehr

Dank Automobil, Eisenbahn und Flugzeug sind die Entfernungen auf der Erde immer kürzer und die Menschen immer weltoffener geworden. Heute leben Millionen vom Personen- und Gütertransport. Auch in diesem Bereich vollzieht sich aufgrund der neuen Technologien ein tiefgreifender Wandel. Das Stichwort lautet automatisierter Transport. Mit elektronischen Bauteilen sind Kraftfahrzeuge schon seit längerer Zeit ausgestattet, doch nun kommt auch im Automobilverkehr, was in modernen U-Bahnen bereits Wirklichkeit ist: Fahrzeuge ohne Fahrer. Die von Google sind mit Bordcomputern, Navigationssystemen, Hinderniserkennung und mobilem Internet ausgestattet und haben bereits eine Million Kilometer im Straßenverkehr zurückgelegt. Seit diesem Jahr verzichten sie sogar auf Lenkrad und Pedale! Den Transportunternehmen und -berufen, die sich bereits auf die Neuerungen des Internet einstellen mussten, steht eine weitere Revolution bevor. Sie verspricht mehr Sicherheit auf den Straßen und weniger Staus. Doch was wird aus den Kraftfahrern?

 

Automatisierte Transaktionen

In Bereich der Geldtransaktionen ist der Einfluss der neuen Technologien bereits heute Alltag: Geldautomaten statt Bankangestellter. Tickets werden nicht mehr an Schaltern in Bahnhöfen und Flughäfen sondern im Internet gekauft. In den Supermärkten ersetzen allmählich Automaten die Kassierer. Mit den mechanischen Schreibmaschinen verschwand auch der Beruf der Stenotypistin. Auch in den Telefonzentralen arbeiten immer mehr Maschinen: In den USA wurden seit den 1970er Jahren 80% der Telefonoperator-Stellen gestrichen

Drucker von Gutenberg bis 3D

Fast jeder Bastler kann sich heute einen 3D-Drucker leisten. In der Industrie werden damit bereits Zahnprothesen und Flugzeugteile hergestellt. Diese Drucker werden die Produktion vieler Güter – ob aus Kunststoff, Gips, Metall oder sogar Schokolade – von Grund auf verändern. Sie sind sehr flexibel und brauchen nur wenige Stunden, um eine Zeichnung in ein Objekt zu verwandeln. Anstatt ihre am anderen Ende der Welt produzierten Ersatzteile aufwändig zu lagern, können Gerätehersteller sie künftig genau nach Kundenbedarf in ihren Werkstätten vor Ort drucken. Dadurch werden sich bei Reparaturen die Wartezeiten verkürzen und vielleicht sogar lokal Arbeitsplätze entstehen.

Nachtrag: Alles ist nicht verloren

Auch wenn Roboter täglich Fortschritte machen, bleiben sie bisher in vielen Lebensbereichen, in Pflege, Bildung und künstlerischen Berufen, nur kläglicher Ersatz des Originals. Millionen von innovativen Computerprogrammen werden nach wie vor von echten Menschen entwickelt, auch diejenigen, die Roboter lenken und korrekt funktionieren lassen!

von Denis Delbecq (Mai 2015)