So erklärt die Wissenschaft den Größenunterschied

Die Frau ist kleiner als der Mann. So zumindest will es das Klischee. Doch warum ist das überhaupt so? Was sagt die Wissenschaft dazu?

Einig sind sich die Forscher darin: Unsere individuelle Körpergröße ergibt sich zu einem Teil aus unseren Genen. Einen Aufschluss über den Größenunterschied zwischen den Geschlechtern gibt uns unser Erbgut aber leider nicht.

Für Mediziner erklärt sich der Größenunterschied aus den verschiedenen Wachstumszeiten und unterschiedlich starken Wachstumsschüben von Mädchen und Jungen während der Pubertät. Den ursprünglichen Grund für diese Größenkonstellation decken sie dabei jedoch nicht auf.

Historisch betrachten die Forscher der Anthropometrie hingegen unsere Größe. Notzeiten, Umweltfaktoren und Lebensbedingungen sollen für eine schwankende Körpergröße in der Bevölkerung über Jahre hinweg verantwortlich sein.  Eine Antwort auf die Frage, warum Männer größer sind als Frauen, haben sie auch parat: Frauen und Männer können in Zeiten des Mangels an Körpergröße verlieren. In solchen Phasen werden Frauen zudem schneller kleiner als Männer und es vergeht auch mehr Zeit, bis sie größer werden.

Die Evolutionsbiologie orientiert sich bei ihrer Erklärung am Tierreich. Ganz in der Tradition Darwins sollen größere Männchen im Wettbewerb Vorteile haben und setzen sich somit in der Selektion durch. Die weibliche Vorliebe für große Männer verstärkt diesen Prozess.

Über den Haufen geworfen wird dieser biologische Ansatz jedoch von Wissenschaftlern aus der Ethno- und Anthropologie. Sie drehen die Frage nach dem Größenunterschied einfach um: Warum ist die Frau kleiner? Wenn die Frau optimal an ihre Mutterrolle angepasst wäre, würde sie den Mann um einiges überragen. Doch was hindert sie daran? Die Anthropologen erklären es durch eine fortlaufende soziale Ordnung, in der die Frau schlichtweg den Kürzeren zieht. Ein gesellschaftlich organisierter Mangel sozusagen, der Frauen in jeder Kultur von Geburt an betrifft. Beim Essen sorgt sich die Frau vor allem darum, dass der Mann genug bekommt, damit dieser „groß und stark“ wird, und dabei stellen die Frauen ihre eigenen Bedürfnisse zurück.

Karen Bitter