Übergewicht in Forschung und Politik

52 % der Deutschen übergewichtig

Jeder zwei­te Er­wachsene in Deutsch­land hat Über­gewicht. Davon sind 62 % Männer und 43 % Frauen. Die Mikrozensus-Befragung für das Jahr 2013 ergab außerdem: Ehemalige Raucher sind deutlich häufiger übergewichtig als aktive. Die Ergebnisse des Statistischen Bundesamtes beruhen auf dem Body-Mass-Index (BMI), der seit langem umstritten ist. Die Messmethode unterstelle sportlichen Menschen trotz gesunden Stoffwechsels zu viele Pfunde - heißt es von Kritikern. In einem "Spiegel"-Artikel beleuchtet der Autor auch die finanziellen Konsequenzen, die der BMI für jeden Einzelnen haben kann.

Wie der Vater so der Sohn

Die Ernährung der Eltern kann das Erbgut ihrer Kinder so sehr verändern, dass diese zu Übergewicht neigen. Damit steckt Fettleibigkeit vermutlich nicht nur in den Genen, sondern auch in epigenetischen Veränderungen der Umwelt. Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Immunbiologie und Epigenetik haben Fruchtfliegen-Männchen vor ihrer Paarung eine zuckerhaltige Nahrung verabreicht und die Folgen für den Nachwuchs beobachtet: Die Fliegenkinder, an ihren roten Augen zu erkennen, waren für Übergewicht anfälliger.

Gesundheitsförderung per Gesetz

Das Problem des Übergewichts in Deutschland soll ein neues Präventionsgesetz lösen. Das Bundeskabinett hat im Dezember beschlossen, dass die gesetzlichen Kranken-, Pflege- und Unfallversicherungen jedem Versicherten sieben Euro im Jahr für Vorbeugungsmaßnahmen zahlen. Das können Bewegungskurse, Kuraufenthalte und die ärztliche Beratung von Risikopatienten sein. Auch die Europäische Union hat sich dem Thema angenommen: Nach einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs kann starkes Übergewicht als Behinderung im Beruf gelten und darf demnach kein Kündigungsgrund sein. Auch der im EU-Recht verankerte Schutz vor Diskriminierung greift in diesem Fall.